Wenn nach einer Aktualisierung etwas nicht mehr funktioniert, kann mithilfe des Bootmanagers (grub) in eine vorhergehende Kernelvesion gestartet werden. Bei vielen Linux-Distributionen sollte dies wie beschrieben funktionieren, ziemlich Sicher bei allen, die auf Debian basieren, wie Linux Mint und Ubuntu. Somit befindet man sich vor der fehlerhaften Aktualisierung. Ich zeige den Weg an folgendem Beispiel:
Heute Morgen machte ich mein Ubuntu-Notebook an und es gab keine W-LAN-Verbindung. Das bringt den Puls erst einmal nicht hoch, wahrscheinlich wurde der Treiber bei der letzten Aktualisierung von gestern nicht mehr richtig installiert. Kabel ran und nachinstallieren. Tja, denkste, Netzwerk über die RJ45-Buchse geht auch nicht. Puh…
Wie üblich wird erst einmal das Internet befragt und ich habe diesen Post im Forum von ubuntuusers.de gefunden – vielen Dank. Allerdings sah bei mir alles gut aus. Anschließend kam genau der Moment, den sicherlich viele kennen. Man fragt sich, warum man nicht früher drauf gekommen ist: Einfach den Computer mithilfe des Bootmanagers (grub) in die vorhergehende Kernelversion hineinstarten, denn vor der Aktualisierung ging es ja. Stellt man es nicht ab, so ist bspw. bei Debian das Bootmenü sichtbar, bei Ubuntu nicht, daher gerät so etwas in Vergessenheit – zumindest bei mir.
Dazu muss die Grub-Konfigurationsdatei bearbeitet werden, diese öffnet man im Terminal mittels:
sudo nano /etc/default/grub
Innerhalb der Datei befindet sich folgendes:
GRUB_DEFAULT=0
GRUB_TIMEOUT_STYLE=hidden
GRUB_TIMEOUT=0
GRUB_DISTRIBUTOR=`( . /etc/os-release; echo ${NAME:-Ubuntu} ) 2>/dev/null || echo Ubuntu`
GRUB_CMDLINE_LINUX_DEFAULT="quiet splash"
GRUB_CMDLINE_LINUX=""
- GRUB_DEFAULT besagt, welcher Eintrag beim Startvorgang gewählt wird – besser nicht verändern.
- GRUB_TIMEOUT_STYLE besagt, wie sich das Menü verhält. hidden (unsichtbar), menu (sichtbar), countdown (es ist ein Countdown aber nicht das Menü sichtbar, ESC-Tate drücken, um das Menü zu sehen).
- GRUB_TIMEOUT gibt an, wie lange der Bootmanager aktiv ist.
Mit diesem Wissen kann TIMEOUT_STYLE und TIMEOUT geändert werden. Denn der Bootmanager soll ein paar Sekunden lang sichtbar sein.
GRUB_DEFAULT=0
GRUB_TIMEOUT_STYLE=menu
GRUB_TIMEOUT=5
GRUB_DISTRIBUTOR=`( . /etc/os-release; echo ${NAME:-Ubuntu} ) 2>/dev/null || echo Ubuntu`
GRUB_CMDLINE_LINUX_DEFAULT="quiet splash"
GRUB_CMDLINE_LINUX=""
Danach wird die geänderte Konfiguration grub übergeben. Unter Ubuntu geschieht das folgendermaßen:
sudo update-grub
Beispielsweise unter Debian war bei mir ein su - root (inkl. der Leerzeichen) vor dem Befehl notwendig.
Anschließend kann der Computer neu gestartet und eine frühere Kernelversion ausgewählt werden, die vor der Aktualisierung liegt. Im angezeigten Menü gibt es den Punkt Erweiterte Optionen (sinngemäß) und von oben nach unten kann die zweite Kernelversion ohne Recovery im Namen ausgewählt werden. Falls es nicht geht und eine dritte da ist, dann diese.
Nun funktionierten Funk- und Kabelnetzwerk wieder. Im Idealfall – in meinem Fall war es so – können nun alle Aktualisierungen ohne Probleme eingespielt werden. Bei diesen wird auch wieder eine neue Kernelversion aufgespielt, nur eben voll funktionstüchtig. Nun wird zweimal neu gestartet, um zu testen, ob alles funktioniert.
Anschließend muss nur noch der obige Schritt rückgängig gemacht werden (TIMEOUT=0 und TIMEOUT_STYLE=hidden und sudo update-grub) und schon ist wieder alles wie gewohnt.